Ein Rucksack voller Dinge

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Unser Leben ist ein Rucksack voller Erfahrungen.

 

Unser Leben ist ein Rucksack voller Erfahrungen. Was tragen wir alles mit uns herum? Was darf drin bleiben?

 

Ein Rucksack voller Dinge

 

Einen Rucksack mit uns zu führen, kann uns dienlich sein. Sind wir zum Beispiel auf einer Wanderung unterwegs, können sich hilfreiche Dinge dort drin befinden, die wir unterwegs benötigen können: Sonnencreme, Wasserflaschen, eine Regenjacke...

Wichtig ist hierbei jedoch immer zu wissen, was sich in unserem Rucksack verbirgt, zu wissen, was wir mit uns tragen. Und genau zu prüfen: brauchen wir das?

 

Um nochmals zurück zur Wanderung zu kommen. Wenn sich auf unserer Wanderung im Rucksack 3 Bücher, Kaminholz oder Schuhcreme befinden, so hilft uns dies unterwegs keineswegs. Wir schleppen es sinnlos den Weg entlang.

enso verhält es sich, wenn wir zu Hause sind. Auch hier macht es keinen Sinn, einen Rucksack durch die Wohnung zu tragen.

 

Das ist der Rucksack im „echten Leben“. Es gibt noch einen zweiten. Den, den wir mit uns tragen. Tag für Tag. Er ist gefüllt mit unseren Ängsten, Sorgen und Nöten. Mit unseren Erlebnissen und Erfahrungen. Ich nenne ihn den „imaginären“ Rucksack.

 

Was tragen wir in unserem Rucksack mit uns rum?

 

Ist uns bewusst, was wir den lieben langen Tag mit uns rumschleppen? Wohl kaum. Das eine oder andere mag uns dienlich sein, für das meiste jedoch, was wir rumtragen, besteht absolut keine Notwendigkeit. Es dient uns nicht. Oder nicht mehr.

 

Dazu eine kleine Geschichte:

Zwei Zen-Mönche waren auf einer Landstraße unterwegs, die nach schweren Regenfällen völlig aufgeweicht war. In der Nähe eines Dorfes begegneten sie einer jungen Frau, die die Straße überqueren wollte, aber der Schlamm war so tief, dass er ihren Seidenkimono verdorben hätte. Der eine Mönch hob sie sofort auf und trug sie auf die andere Seite.

Danach gingen die Mönche schweigend weiter. Fünf Stunden später, als sie sich dem Tempel näherten, konnte der andere Mönch sich nicht länger beherrschen.

"Wie konntest du nur die Frau über die Straße tragen? Wir Mönche dürfen so etwas nicht tun!"

"Ich habe die Frau vor Stunden abgesetzt. Trägst du sie immer noch?"

(aus Eckhart Tolle)

 

Wir sind gefangen in vergangenen Situationen und Begebenheiten, die wir bildlich gesprochen mit uns immer noch herumtragen. Da ist der Streit mit der Mutter am letzten Geburtstag, der Freund, der uns verlassen hat, die Kollegen, die unfair waren, und auch der Unfall vor x Jahren ist irgendwie immer noch präsent.

 

All dies sind Beispiele, was wir in unserem imaginären Rucksack mit uns tragen. Bei jedem ist er natürlich individuell gepackt. Vom Tenor jedoch gleich: all unsere Sorgen, Ängste und Nöte befinden sich darin. Unschöne Erinnerungen.

 

Und das meiste davon ist sogar nur "vermeintlich".

Was will ich mit vermeintlich sagen? War die Situation, das Erlebnis, wirklich so, wie wir es in Erinnerung haben? Oder haben wir es uns nicht vielleicht ein bisschen so zusammen gezimmert, wie es uns am besten "passt"?

 

Diese Erlebnisse und die damit verbundenen Emotionen tragen wir lange Zeit immer noch mit uns herum. Erfahrungen zu sammeln ist gut - das liebt die Seele und braucht sie auch zum Wachsen. Die Erfahrung ist jedoch die Quintessenz aus dem Erlebnis, das dazu geführt hat. Nicht das Erlebnis selbst.

Daran festzuhalten, was wie wo geschah, und es immer wieder auf ein Neues gedanklich abzuspielen, ist nicht förderlich und nicht dienlich. Es war so. Punkt.

 

Wie sagte schon Aldous Huxley?

 

„Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt.“

(brit. Schriftsteller 1897-1963)

 

 

Ein Beispiel aus der Kindheit:

Bereits seit frühen Kindheitstagen wissen wir, dass die Herdplatte heiß sein kann. Wenn der Herd eingeschaltet ist, ist das so. Punkt. Wir lassen es nicht mehr Revue passieren, dass die Mutter damals mit uns geschimpft hat. Oder dass wir vielleicht trotz Ermahnung dennoch einmal drauf gefasst haben.

 

Ein banales Beispiel? Genauso verhält es sich mit anderen Erfahrungen, die wir im weiteren Verlauf unseres Lebens gesammelt haben. Die Geschichte, die dazu gehört hat, ist vergangen. Sie lässt sich nicht mehr verändern. Sie war so. Punkt. Wir können nur noch in der Gegenwart leben - mit der Erfahrung, die wir daraus gewonnen haben.

 

Und selbst diese Erfahrung ist nicht unumstößlich. Was einmal so war, muss nicht wieder so sein. Jedoch im Moment haben wir diese Erfahrung. Und diese darf leicht sein!

 

Ein Rucksack voller Dinge von anderen

 

In unserem Rucksack können sich nicht nur unsere persönlichen, eigenen Dinge befinden. Gerne packen auch andere Menschen etwas dort rein bzw. wir geben ihnen die Erlaubnis, es für sie zu tragen.

 

Auch hierzu eine Geschichte:

Als mein Sohn ungefähr 9 Jahre alt war, nahm er an einem Kinderseminar teil, um den Selbstwert zu stärken. Unter anderem gab es folgende Übung:

In einem Rucksack befanden sich mehre schwere Holzscheide. Diesen Rucksack bekam er auf und die Kursleiterin fragte ihn, wie es sich anfühlt, diesen Rucksack zu tragen und ob er auch wisse, für was dieser Rucksack steht. Dies erfolgt in einer Einzelübung, ohne die anderen, nur ich durfte still als Beobachter dabei sein. Er sagte sofort, dass er diesen Rucksack tragen will und auch weiß, was er trägt. Ich war sprachlos. Das Holz stand symbolisch für Sachen von anderen, in diesem Fall der Eltern. Die Kursleiterin fragte weiter. Ob er nicht das eine oder andere Holzstück raus tun will, damit der Rucksack leichter wird. Er sagte nein. Mir standen die Tränen in den Augen. Erst nach einigen Übungen war er bereit, den Rucksack zu leeren. Er erklärte ganz selbstverständlich, warum und für wen er es mitträgt - oder bis zu diesem Zeitpunkt mitgetragen hat.

 

Kinder spüren vieles intuitiv. Eine Begabung, die uns Erwachsenen oft fehlt.
Und so geht es nicht nur Kindern, die Dinge für / von ihren Eltern übernehmen.  Auch die meisten von uns sind unbewusst gerne bereit, etwas für andere zu übernehmen. Für die Eltern, die Kinder, den Lebenspartner, für den besten Freund / die beste Freundin... Meiner Erfahrung nach sind es meist immer nahestehende Verwandte, die Partner oder ganz enge Freunde. Also Menschen, zu denen wir einen intensiven Kontakt haben.

 

Wir leiden mit ihnen, wenn es ihnen nicht gut geht. Wir übernehmen manches vielleicht sogar ganz für sie. Sätze wie: " oh der Arme", "sie hat es aber wirklich nicht leicht, da muss ich doch mal eingreifen"... können ein Indiz sein, dass wir anfangen, etwas zu übernehmen. Wir sind im Mitleid mit dem anderen. Bitte nicht verwechseln mit Mitgefühl. Das ist etwas ganz anderes. Mitgefühl darf sein, Mitleid hilft keinem.

 

All diese von anderen übernommenen Dinge machen unseren eigenen Rucksack natürlich um ein Vielfaches schwerer. Es steht außer Frage, dass dies keinem dient. Weder uns - noch der anderen Person. Ich vergleiche es gerne mit bestimmten Pflanzen, die zum Teil ganz, zum Teil nur teilweise auf Kosten einer anderen Pflanze leben. Im schlimmsten Fall geht dann die Wirtspflanze nach einiger Zeit ein. Und das ist nicht Sinn der Sache.

 

Zum Teil verstecken wir uns jedoch auch hinter dieser anderen Person und nehmen andere Dinge von dieser gerne auf. "Aber ich muss doch XY helfen", "Ich muss doch für XY da sein", "XY schafft es nicht alleine"... Nein? Stimmt das wirklich so?

Ist es nicht eher so, dass wir von uns selbst dabei ablenken? Ob bewusst oder unbewusst sei einmal dahin gestellt.

An dieser Stelle sei nochmals das oben genannte Mitgefühl erwähnt. Mitgefühl ja, Mitleid nein.

 

Was tun wir also mit unserem Rucksack?

 

Anders als wie im "richtigen" Leben packen wir unseren imaginären Rucksack selten bewusst. Die "Dinge" wandern meist automatisch dort hinein. Wir können jedoch ein Auge darauf haben, was dort hinwandert oder sich bereits dort befindet.

 

Wenn wir uns einige Zeit nehmen um zu schauen, was wir alles mit uns herumtragen, wird es erstmals bewusst, was sich dort alles angesammelt hat. Erst wenn wir es überhaupt wahrgenommen haben, können wir es loslassen und nur noch die Essenz dieses Geschehnisses behalten.

 

Das Leben darf leicht und erfreulich sein. Es gibt immer einen Weg. Immer!

 

Und es gibt so viel Schönes auf der Welt!

 

PS: vielleicht auch interessant: Wie viele Steine hast du noch?


Blog Sabine Stegmann

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